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Vitamin A
Vorkommen:
Vitamin A kommt nur in tierischen Lebensmitteln vor, in der Pflanzenwelt gibt es die Karotinoide, die von höheren Pflanzen und Mikroorganismen gebildet werden. Für den Menschen haben Karotinoide die Funktion von Provitaminen, also von Vitamin-A-Vorstufen, und werden nach dem Verzehr vor allem in den Zellen des Darms mittels Enzymen in Vitamin A umgewandelt. Natürliche Vitamin-A Quellen für den Menschen sind dementsprechend tierische Produkte. Den höchsten Gehalt haben Leber, Butter und Eigelb. Milch, Käse, Sahne und einige Seefische, wie z.B. Heilbutt und Makrele, sind ebenfalls gute Vitamin-A-Lieferanten. In manchen tierischen Produkten ist der Vitamin-A-Gehalt teilweise sohoch, dass es bei einseitigem Verzehr zu Vergiftungserscheinungen kommen kann. So verfügen fischfressende Säugetiere wie der Eisbär über so hohe Vitamin-A-Speicher in der Leber, dass bei Inuits, die die Eisbärenleber in rohem Zustand verzehrten, unerwünschte Wirkungen aufgetreten sind. Veganer können sich durch eine karotinreiche Nahrung mit Vitamin A versorgen. Säuglinge decken ihren Bedarf direkt über die Muttermilch ab. Ca. 20% des aufgenommenen Vitamin A wird nicht im Körper gespeichert und inner-halb von 1 bis 2 Tagen über den Stuhl ausgeschieden. Bei gesunden Erwachsenen beträgt die durchschnittliche Konzentration des Vitamin A in der Leber 100 300μg pro g Leber, bei Kindern 20–100μg pro g Leber. Vitamin E verhindert den oxidativen Abbau von Vitamin A im Magen-Darm-Trakt und steigert dadurch dessen Speicherung im Gewebe und in der Leber.

Besonderheiten:
Aufgrund seiner Struktur ist Vitamin A sehr empfindlich gegenüber Sauerstoff, Licht und Wärme. Die Zugabe von Vitamin E schützt das Vitamin A vor Oxidation und damit Fettlösliche Vitamine vor der Zerstörung. Vitamin A ist auch sehr empfindlich gegenüber Säuren, aber gleichzeitig sehr stabil gegenüber Basen. Retinol ist ein fettlösliches Vitamin, in Wasser ist es unlöslich.

Versorgungssituation:
Unter den Vitaminmangelzuständen rangiert der Vitamin-A-Mangel weltweit an erster Stelle. Besonders in den Ländern der Dritten Welt ist er weitverbreitet, wobei schätzungsweise über 124 Mio. Kinder betroffen sind. Nach dem Ernährungsbericht der DGE von 2008 liegt in den Industrienationen dagegen eine Unterversorgung bei nur 0,1% der Bevölkerung vor.
Bisher gibt es einschlägige Untersuchungen über den Vitamin-A-Bedarf nur für Erwachsene. Aus diesen lässt sich ableiten, dass der Bedarf für männliche Erwachsene mit 1mg Vitamin A pro Tag gedeckt wird (DGE 1991), der Mindestbedarf wird bei 0,6mg pro Tag angesetzt. Alle anderen Angaben für Kinder, Jugendliche und Frauen sind geschätzt, d.h. diesen Angaben liegen keine experimentellen Untersuchungen zugrunde.

DGE-Empfehlungen für den täglichen Bedarf an Vitamin A
Erwachsene 1,0mg
Schwangere 1,1mg
Stillende 1,5mg
Kinder 0,6–0,8mg
Man nimmt an, dass der Bedarf bei Frauen niedriger ist, jedoch unter physiologischen Sonderbedingungen wie Schwangerschaft und Stillzeit ein Mehrbedarf besteht. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Vitamin A als fettlösliches Substrat in die Muttermilch übergeht und so während der Stillphase ca. 0,4–0,5mg Retinoläquivalente über die Milch abgegeben werden. Da es bei längeren Stillphasen zu einem Absinken des Vitamin-A-Spiegels im Blutplasma kommt, empfiehlt die DGE für diesen Zeitraum eine relativ hohe Zufuhr von 1,5mg.

Symptome eines Vitamin A Mangels
Ein Vitamin-A-Mangel kann bereits vorliegen, bevor typische klinische Symptome auftreten oder er im Labor bestimmt werden kann. Symptome des Vitamin-A-Mangels sind:

• Müdigkeit und Appetitverlust,
• erhöhte Gefahr von Nierensteinbildung,
• herabgesetzte Geruchsempfindlichkeit,
• Augen: Trockenheit, Jucken, Rötung, gestörtes Sehen in der Nacht bis Nachtblindheit, Bitot-Flecken, Bindehautverkalkung, Verhornung der Augenhornhaut, Hornhautrisse, Hornhautvernarbung, Erblindung,
• hypochrome Anämie, d.h. vermindertes Hämoglobin im Blut,
• Haut und Schleimhäute: Trockenheit, Juckreiz, raue Stellen, Ausschlag wie z.B. Akne, Eintrocknung bis Verhornung der Schleimhäute, Gewebsschwund von Speicheldrüsen und Kehlkopf, Entzündungen des Zahnfleisches, Aphtenbildung im Mund, Bronchitis und Lungenentzündungen, Gewebsschwund im Darmtrakt mit Resorptionsstörungen weiterer Vitalstoffe und wichtiger Nahrungsbestandteile, trockene, spröde Haare und Nägel, erhöhtes Tumorrisiko z.B. an der Lunge, Blase, Gebärmutterschleimhaut, Prostata, Kehlkopf, Speiseröhre, Magen- und Darm,
• Störung der Spermienbildung,
• Knochen und Zähne: Zahnbildungsstörung, Wachstumsstörung der Röhrenknochen,
• erhöhte Verletzlichkeit der Ohren,
• Fehlbildungen, v. a. im Bereich des Hörorgans, im Magen-Darm-Trakt und im Harn- und Genitaltrakt,
• Nervensystem: Erhöhung des Hirndrucks, Hydrozephalus (Wasserkopf) bei Neugeborenen.

Anwendungsgebiete
Eine einheitliche Wirkungsweise kann dem Vitamin A nicht zugeordnet werden. Die verschiedenen, im Organismus vorkommenden Abkömmlinge zeigen unterschiedliche funktionelle Wirkungen:
• Anti-Krebs-Wirkung: Vitamin A greift regulierend in die Start- und Wachstumsvorgänge von Tumoren ein.
• Gefäßverkalkung: Beta-Karotin verringert als Radikalenfänger die Oxidation und damit die Bildung des – eigentlich zur Gefäßverkalkung führende – LDL-Cholesterin.
• Augen: Retinol und Retinal wirken positiv bei Nachtblindheit, Bindehautentzündung und grauem Star.
• Haut und Haare: Eine optimale Vitamin-A-Versorgung schützt vor trockener Haut, Schuppenflechte, Hautausschlag, trockenen und brüchigen Haaren und Schuppenbildung. Retinol und Retinsäure wirken besonders auf das Wachstum und die Entwicklung von Hautgewebe.
• Kinderkrankheiten: Vitamin A lindert die Beschwerden einer Maserninfektion.
• Harnwege: Durch Vitamin A können die Beschwerden bei einer Blasenentzündung reduziert werden.
• Knochen: Retinol und Retinsäure wirken besonders auf das Wachstum und die Entwicklung von Knochengewebe und fördern die Heilung von Knochenbrüchen.
• Atemwege: Vitamin A lindert die Beschwerden bei einer Infektion der oberen Atemwege, einer Entzündung der Bronchien und der Lunge.
• Reproduktion: Bei der Spermienbildung, Eizellen-, Plazenta- und Embryonalentwicklung ist nur Retinol wirksam und kann nicht durch Retinsäure ersetzt werden.