Vitamin B1 - Thiamin

Ein paar Fakten über Vitamin B1

Bereits nach 14 Tagen ohne Zufuhr sind die Vitamin B1-Speicher erschöpft.

Beim Kochen kommt es zu Vitamin B1-Verlusten von 30%.

40% des Körperbestands an Thiamin befindet sich in der Muskulatur.

21% der männlichen und 25% der weiblichen Jugendlichen erreichen die DGE-Empfehlung für Vitamin B1 nicht (Nationale Verzehrstudie II von 2008).

32% aller Frauen und 65% der Frauen ab 65 Jahren haben einen Thiamin-Mangel (Nationale Verzehrstudie II von 2008).

Vitamin B1 sorgt für Energie und gute Stimmung

Vitamin B1 ist wasserlöslich und gehört zu den B-Vitaminen. Der menschliche Körper kann Thiamin nur in sehr geringen Mengen speichern, daher muss es regelmäßig mit der Nahrung zugeführt werden. Ein ausgeprägter Mangel des Vitamins verursacht die Nervenkrankheit Beriberi, welche nach dem Schälen von Reis erstmals auftrat, da die Vitamine – wie bei allen Obst, Gemüse, Getreidesorten – in den Randschichten zu finden sind. In Regionen Südostasien, deren Hauptnahrungsmittel Reis ist, trat Beriberi häufig auf.

Wer ist mangelgefährdet?

Ein Vitamin B1-Mangel kommt in Deutschland bei Menschen mit regelmäßigem bzw. täglichem Alkoholkonsum öfter vor. Andere Gründe für einen Mangel sind chronische Erkrankungen des Magens, des Darms oder der Leber. Auch Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht können ursächlich sein. In der Schwangerschaft steigt der Thiamin-Bedarf an, so dass auch hier eine Unterversorgung vorkommen kann, vor allem wenn die Frau zuvor länger mit der „Pille“ oder anderen Hormonpräparaten verhütet hat. Ein Folsäuremangel, der ebenfalls weit verbreitet ist, verstärkt den Thiaminmangel zusätzlich.

Ein hoher Kaffee- oder Teegenuss behindert die Aufnahme von Vitamin B1, ebenso die Betelnuss die in asiatischen Ländern gerne gekaut wird. Auch ein hoher Anteil an rohem Süßwasserfisch und Muscheln kann zu einer verringerten Vitamin-B1-Aufnahme führen.

Vitamin B1 stärkt die Nerven

Wichtig ist Thiamin für den Kohlenhydratstoffwechsel und für die Energiegewinnung der Zellen. Wie alle anderen B-Vitamine äußert sich ein Mangel vor allem am Nervensystem. Symptome sind:

  • Schlafstörungen
  • Reizbarkeit
  • Depressionen
  • Angstzustände
  • Konzentrationsstörungen
  • Lern- und Gedächtnisstörungen
  • Vergesslichkeit, Verwirrtheit
  • Muskelschwäche
  • Muskellähmungen
  • Muskelschmerzen
  • Wadenkrämpfe
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Gewichtsverlust
  • Herz-Kreislaufstörungen
  • Erschöpfung der Augen
  • Beim Diabetiker: Polyneuropathie (Nervenschmerzen wie Kribbeln und Brennen) und Retinopathie (Schaden an  der Netzhaut)

Eine Sonderform des Mangels bietet die Wernicke-Enzephalopathie. Bei dieser Form des Vitamin-B1-Mangels spielen wahrscheinlich auch genetische Faktoren eine Rolle. Die Folgen sind eine Unterversorgung der Nervenzellen des Gehirns, bis zum Absterben der Hirnzellen und neuralen Ausfällen. Herz und Nervensystem sind von einem Thiaminmangel besonders betroffen wegen ihres hohen oxidativen Stoffwechsels.

Vitamin B1 ist besonders hitzeempfindlich und geht beim Kochen und Wässern von Lebensmittel leicht verloren. Gute Lieferanten sind Schweinefleisch und Vollkorn. Bei mangelnder Zufuhr sind die vorhandenen Speicher des Vitamin B1 bereits nach 14 Tagen aufgebraucht.

Vitamin B1 sorgt für Nervenimpulse

Vitamin B1 sorgt für die Energiegewinnung aus der Nahrung, indem es die Verbrennung von Kohlenhydraten aktiviert. Auch für die Bildung der Magensäure benötigen wir Thiamin. Immer wenn der Energiebedarf des Körpers steigt, steigt gleichzeitig der Bedarf an Vitamin B1 an. Alle Nervenzellen benötigen Kohlenhydrate zur Energiegewinnung, daher spielt Vitamin B1 auch eine entscheidende Rolle bei der Gedächtnisleistung. Durch Thiamin werden die Reize vom Nerv auf die Muskulatur übertragen, daher unterstützt das wasserlösliche Vitamin auch die Erregungsleitung und die Bildung von Neurotransmittern. Diese sind wichtig für die Informationsweitergabe zwischen den Nervenzellen.

Frauen mit einem Vitamin B1-Mangel leiden häufiger an Stimmungsschwankungen, Traurigkeit, Gereiztheit und unter dem prämenstruellen Syndrom (PMS).

Weitere Funktionen von Vitamin B1

Das Vitamin ist am Stoffwechsel der Aminosäuren und der Kollagenbildung beteiligt. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig für den Aufbau aller Gewebe im Körper. Außerdem entsorgt es unerwünschte Nebenprodukte des Stoffwechsels. Daher schützt Vitamin B1 auch vor Herzerkrankungen und vermindert das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls.

Höherdosiertes Vitamin B1 wird über den Schweiß ausgeschieden und vermindert Insektenstiche.

Vitamin B1 Einsatzgebiete:

  • Depressionen
  • Schul- und Lernstress
  • Demenz
  • Diabetes mellitus
  • Schlafstörungen
  • Nervenschmerzen
  • Chronische Müdigkeit, Schwäche
  • Wundheilungsstörungen
  • Verdauungsstörungen
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Immunmangelsyndrom
  • Ödeme
  • Herzvergrößerung
  • Niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • Anämie
  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • Stress
  • Verbrennungen
  • Leistungssport
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Orale Kontrazeptiva (Pilleneinnahme)
  • Hormonpräparate
  • Hoher oder regelmäßiger Alkoholkonsum
  • Krebserkrankungen
  • Morbus Alzheimer
  • Multiple Sklerose
  • Morbus Chron
  • Colitis ulzerosa
  • Nervenentzündungen
  • Magnesiummangel
  • Folsäuremangel
  • Medikamenteneinnahme (Antazida, Neuroleptika, Antiepileptika)